Veranstaltungen
Von Oktober bis November 2026 erwartet Sie ein vielseitiges Programm voller spannender Veranstaltungen im Rahmen von „Mannheim liest ein Buch“.
Freuen Sie sich auf eine Zeit voller Literatur, Austausch und gemeinsamer Lesefreude!
Mannheim liest ein Buch 2026 Auftakt
Standort
- Nationaltheater Mannheim, Altes Kino Franklin
- Abraham-Lincoln-Allee 1, 68309 Mannheim
Lesung & Gespräch mit Necati Öziri
Im Jubiläumsjahr 2026 geht „Mannheim liest ein Buch“ in die 5. Runde. Zum „Buch der Stadt“ wurde Vatermal (2023) von Necati Öziri (Hausautor am NTM der Spielzeit 2020.21) gewählt. Der Roman erzählt eine Familiengeschichte über einen Sohn, seine Mutter, seine Schwester und die Abwesenheit des Vaters – geprägt von Armut, gesellschaftlichem Druck und politischen Verhältnissen. In poetischer Sprache blickt der Erzähler auf seine Jugend in Deutschland zurück: auf Freundschaften, Verlust, Wut und die Suche nach dem eigenen Platz in einer zerrütteten Welt. Den feierlichen Auftakt des stadtweiten Projekts bildet eine Lesung mit anschließendem Gespräch mit Autor Necati Öziri im Alten Kino Franklin.
pay what you want 0,00 € – 25,00 €
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Väter im Film. Vorführung des Films Toni Erdmann
Standort
- Cinema Quadrat
- K1 2, 68159 Mannheim
Einführung von Prof. Dr. Peter Scheinpflug
Cinema Quadrat in Kooperation mit der Universität Mannheim
11,50 € regulär, 8,50 € Studierende, 7.50 € Mitglieder Cinema Quadrat
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Lesung aus „Vatermal“ (2023) von Necati Öziri
Standort
- Lobby Werkhaus
- Mozartstraße 9–11, 68161 Mannheim
mit moderiertem Gespräch und Publikumsdiskussion
Im Rahmen des stadtweiten Leseprojekts „Mannheim liest ein Buch“ und der „einander.Aktionstage“ liest Schauspielensemblemitglied des Nationaltheater Mannheim Bruno Akkan aus dem diesjährigen Buch der Stadt „Vatermal“ (2023) von Necati Öziri. Adressiert an den abwesenden Vater erzählt Arda aus dem Krankenhausbett seine Familiengeschichte, von den Fluren des Ausländeramtes, erzählt von jenem letzten Sommer, bevor seine Freunde verschwanden, erzählt von Mutter und Schwester und ihren Erzählungen: „Ich möchte dir für immer die Möglichkeit nehmen, nicht zu wissen, wer ich war.“ Radikal ehrlich blickt er auf seine Jugend in Deutschland zurück: auf Freundschaften, Verlust, Wut und den Versuch, Platz in einer zerrütteten Welt zu finden. Der Roman verbindet persönliche Erinnerungen mit gesellschaftlicher Realität. Eine Geschichte über Familie, Herkunft und Männlichkeit. Nominiert für die Shortlist des Deutschen Buchpreises. In einem moderierten Gespräch werden die Themen Männlichkeit und Vater-Sohn-Beziehung im Roman näher betrachtet und mit dem Publikum diskutiert.
Eine Kooperation des Nationaltheater Mannheim und dem Migrationsbeirat Mannheim.
Eintritt frei – Anmeldung gewünscht
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„Vatermal“ im Lichte der Gender Studies
Standort
- QZM
- G7 14, 68159 Mannheim
Buchbesprechung zum Thema Männlichkeitsbilder
Im Rahmen des Buchclubs lesen und sprechen wir über Necati Öziris „Vatermal“ im Kontext der Konstruktivität von Männlichkeitsbildern und Gender.
Unser Buchclub ist ein Safer Space und es gibt keinen Raum für Vorurteile und Diskriminierung in irgendeiner Form. Das QZM ist stufenlos erreichbar und es gibt eine barrierearme Toilette. Bei Fragen zur Barrierearmut, meldet euch gern unter info@qzm-rn.de. Kommt gerne vorbei!
Eintritt frei
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„Mit dem Bleistift gelesen“ meets „Mannheim liest ein Buch“
Standort
- Bücher Bender
- O4 2, 68161 Mannheim
Gespräch über Necati Öziris Vatermal
Bücher Bender in Kooperation mit der Universität Mannheim
Eintritt frei
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„Bücher für Männer? Lesekrise, Männlichkeitskrise und Auswege auf Booktok.“
Standort
- Abendakademie Mannheim
- U1 16–19, 68161 Mannheim
Vortrag von Julian Sieler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Mannheim
Abendakademie Mannheim in Kooperation mit der Universität Mannheim
Eintritt frei
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Vergangene Termine
Der Veranstaltungskalender wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Bleiben Sie dran.
Veranstaltungen
Seit dem erfolgreichen Auftakt der Leseaktion „Mannheim liest ein Buch“ 2025 – mit einer Lesung und einem Gespräch mit der Autorin Paula Irmschler an der Universität Mannheim – bot der November ein vielfältiges Programm mit zahlreichen spannenden Veranstaltungen. Von Gesprächsrunden und Lesungen bis hin zu Podiumsdiskussionen und Workshops war für jede*n etwas dabei.
Wir bedanken uns bei allen beteiligten Institutionen, Kooperationspartnern und Förderern für das vielfältige Programm voller Literatur, Austausch und Lesefreude.
Veranstaltungsbericht zur Auftaktveranstaltung:
Familie heißt lügen – Paula Irmschler und „Alles immer wegen damals“ bei „Mannheim liest“
Wie wichtig ist das eigene Zuhause? Zum erfolgreichen Start von „Mannheim liest ein Buch“ spricht Paula Irmschler, die Autorin des diesjährigen Buchs, über Wohnraum, Rückzugsorte und die Bedeutung von Familie – oder dessen Abwesenheit.
Stühlerücken in der Aula des Mannheimer Schlosses: Aufgrund des großen Besucherandrangs beim Auftakt von „Mannheim liest ein Buch“ am 10. November müssen spontan weitere Stuhlreihen aufgebaut werden. Nachdem sich auch die letzten Besucher*innen auf ihren Plätzen eingefunden haben, kann die Veranstaltung beginnen. Autorin Paula Irmschler, deren Roman „Alles immer wegen damals“ bei der vierten Auflage von „MaliBu“ im Fokus steht, wirkt auf der Bühne erfrischend ehrlich und gelassen. Geleitet wird das Gespräch von Prof. Dr. Thomas Wortmann, Dekan der philosophischen Fakultät, und Dr. Sandra Beck, Akademische Rätin am Seminar für Deutsche Philologie.
Paula Irmschler ist Musikjournalistin und Satirikerin, sie hat unter anderem im Missy Magazine und Musikexpress Texte veröffentlicht und als Redakteurin bei der Titanic gearbeitet, außerdem ist sie als Autorin für das Magazin Royale von Jan Böhmermann tätig. Ihr Debütroman „Superbusen“ (2018) wurde von der Kritik hoch gelobt. 2024 erschien ihr zweiter Roman „Alles immer wegen damals“, verfasst in Zeiten der Coronapandemie, wie sie auf der Bühne verrät. Der Roman erzählt die Geschichte eines Mutter-Tochter-Gespanns, das seine Beziehung zueinander sowie zu den Personen seines Umfelds erkundet. Karlas Umzug von ihrem Geburtsort Leipzig in den Westen nach Köln ist Auslöser emotionaler Konflikte. Nach zwei Jahren ohne Kontakt lässt ein Geschenk von Karlas Geschwistern sie und ihre Mutter Gerda wieder aufeinandertreffen. In ihrem Roman erkundet Irmschler die subtilen sozialen Prägungen zwischen Ost- und Westdeutschland, die sich in den unterschiedlichen Lebensträumen und Erwartungen der beiden Protagonistinnen widerspiegeln.
Parallelen zu den Figuren
Zu Beginn liest Irmschler die Anfangsszene des Romans vor. Darin erinnert sich Karla unmittelbar nach dem Aufwachen an das Leben mit ihren Geschwistern und dem Familienhund, eine Szene, die die Autorin als anekdotisch bezeichnet: Ihre Schwester hatte Irmschler in ihrer Jugend einen ähnlichen Streich gespielt. Obwohl Irmschler, die selbst vom Osten nach Westdeutschland zog, im Laufe der Veranstaltung mehrfach betont, Distanz zu ihren Figuren wahren zu wollen, entsteht schnell der Eindruck, dass es doch gewisse Parallelen gibt. Ein Satz, der beinahe zum Titel des Buches geworden wäre, bleibt hängen: „Familie heißt lügen bis tief in die Nacht.“ Blutsverwandtschaft, so die Autorin, stelle sie persönlich „nicht so hoch“.
Das Gespräch dreht sich um Familie, Erwartungshaltungen und den Drang nach Verbundenheit. Irmschler erinnert an Familien-Gruppenchats, die während der Pandemie eine besonders große Rolle spielten. „Man hat sich’s nicht ausgesucht – trotzdem ist man in vielen Fällen in einer Familiengruppe, weil dieser Zwang herrscht“, sagt sie. Offen spricht sie zudem über ihre eigenen familiären Erlebnisse, die sich in „Alles immer wegen damals“ wiederfinden – etwa über regelmäßige Streitereien unter Geschwistern, deren Gründe sie heute kaum noch nachvollziehen kann.
Was ist überhaupt „normal“?
Ein weiteres zentrales Thema des Romans ist die Frage nach Wohnraum, den Traum von den eigenen vier Wänden, einem Rückzugsort, der Sicherheit bietet: Mutter Gerda wünscht sich ein eigenes Haus, gefüllt mit Familienmitgliedern. Für viele heutzutage unerfüllbar: In einer persönlichen Anekdote erzählt die Autorin von Freund*innen, die ihre Familienplanung aufgrund fehlenden Wohnraums pausieren müssen. Sie betont, wie eng Arbeit, Leben und Beziehungen mit der Wohnsituation verbunden sind. Irmschler selbst lebt in einer Dachgeschosswohnung, die einzigen Wohnungen in ihrer Wahlheimat Köln, „die bezahlbar sind und auch ab und zu mal frei werden, weil es Leute da nicht aushalten“.
Immer wieder kehrt das Gespräch zum Begriff des „Normalen“ zurück. Was macht eine normale Frau aus, wie sieht eine normale Familie aus – und lässt sich „normal“ überhaupt klar definieren? Protagonistin Karla träumt von einem bodenständigen Leben; sie wünscht sich eine eigene Familie und einen Wohnraum, der Schutz, Ruhe und Rückzug bietet. Auch Gerda sehnt sich nach einem festen Platz für ihre Familie. Im Gespräch bezeichnet Wortmann Gerdas Wunsch als „Familienhaus“ – ein Ort, an dem sich alle ihre Habseligkeiten befinden und ihre Familie zusammenkommen kann. Irmschler selbst hat Gerdas Ideal eines „Familienhauses“ nie kennengelernt. Sie sei so häufig umgezogen, dass für sie bisher weder ein vollgestellter Keller noch ein Dachboden voller Kisten jemals zur Realität wurden.
Nachdem das offizielle Gespräch auf der Bühne beendet ist, leert sich der Saal nur zögerlich. Viele Besucher*innen nutzen den Moment, um sich ihre Exemplare des Romans von der Autorin signieren zu lassen. Im Raum verteilt entstehen Unterhaltungen über die vorgelesenen Passagen, bevorstehende Programmpunkte des Lesefests „MaliBu“ und die Pläne für den verbleibenden Abend. Die gelungene Auftaktveranstaltung endet in individuellen Begegnungen und anregenden Gesprächen.
von Pia Richter